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Fang den Hasen von Lana Bastašić (Rezension)

Der Roman Fang den Hasen von Lana Bastašić ist dieses Jahr (2021) in seiner Übersetzung im S. Fischer Verlag erschienen, nachdem er von Rebekka Zeinzinger ins Deutsche übertragen worden ist. Das Buch ist bereits zahlreich ausgezeichnet worden: es erhielt den Literaturpreis der Europäischen Union 2020 und wurde von mehreren europäischen Feuilletons hochgelobt, so etwa im spanischen EL PAÍS, in der serbischen VREME oder in der kroatischen VOX FEMINAE. In Serbien stand das Buch auf der Shortlist des dort renommiertesten Literaturpreises NIN. Auch im deutschen Sprachraum wurden zahlreiche, durch die Bank wohlwollende Rezensionen und Kritiken geschrieben: zum Beispiel von Saša Stanišić in der ZEIT, von Anne liest auf ihrem gleichnamigen Blog, oder von Norbert Mappes-Niediek in der Frankfurter Rundschau

Die Rezensent*innen sind sich einig: hier debütiert eine junge Schriftstellerin so brillant mit ihrem ersten Roman, dass wir uns bereits nach mehr von ihr verzehren dürfen — und Leserinnen des BiBlogs werden hier auf diesem Blog mit der Übersetzung des Essays Nach dem Mantel fragen (Tražiti kaput) durch Emina Haye fündig. Doch wer ist die junge Autorin?

Lana Bastašić ist 1986 in Kroatien als Kind serbischer Eltern geboren und im bosnischen Banja Luka aufgewachsen. Später ist sie nach Irland ausgewandert und von dort nach Spanien gezogen, wo sie Herausgeberin des Literaturmagazins Carn de Cap ist. Daneben ist sie Mitbegründerin von 3+3 sisters, eines Literaturförderungsprojektes für Autorinnen vom Balkan. Vor Fang den Hasen — im Original 2018 unter dem Titel Uhvati zeca erschienen — hat sie bereits ein Kinderbuch, Gedichtsammlungen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Heute lebt sie hauptsächlich in Belgrad und Zagreb, und bei Erscheinen der deutschen Übersetzung von Fang den Hasen war sie gerade Writer in Residence in Zürich.

In dieser Rezension sollen vor allem die formale und erzähltechnische Struktur, sprachliche und übersetzerische Aspekte, die starke Symbolik und Metaphorik sowie die implizite Dramaturgie zwischen den Zeilen Beachtung finden. Allerdings habe ich entschieden, die meisten Aspekte der Hasen-Metaphorik nicht zu beschreiben, um interessierten Leser*innen nichts vorwegzunehmen. Außerdem würde dies den von Bastašić bis auf die letzten Seiten ausgereizten, meisterhaft durchexerzierten Spannungsbogen zerstören.

Albrecht Dürer - Hare, 1502 - Google Art Project

Dürerhase. Albrecht Dürer, Public domain, via Wikimedia Commons.

Handlung und Protagonistinnen

Die vordergründige Handlung der Story besteht aus einem Rückkehr-Motiv der Hauptprotagonistin Sara, die aus Banja Luka nach Irland ausgewandert ist. Die Literaturwissenschaftlerin Sara hat sich von ihrem Heimatland Bosnien-Herzegowina, von ihrer noch dort lebenden Mutter, aber auch von ihrer Muttersprache inzwischen stark entfremdet und lebt mit ihrem irischen Lebensgefährten Michael, einem Programmierer, in Dublin. Eines Tages erhält sie einen Anruf von ihrer Schulfreundin Lejla, die sie zwölf Jahre lang nicht gesehen hat und die sie beim Vokativ Saro ruft — was letztere inzwischen als „Deformation ihres Namens“ empfindet. Lejlas muslimischer Name Lejla Begić dagegen wurde im Krieg zum serbischen Lela Berić geändert: zu einer Zeit, als nahezu alle nichtserbischen (hauptsächlich muslimischen und katholischen) Bewohnerinnen Banja Lukas vertrieben oder umgebracht wurden. Lejlas früh verwitwete Mutter bleibt mit beiden Kindern in Banja Luka und versucht, die Familie zu assimilieren. Im Laufe des Buches erfahren die Leserinnen, dass Lejla nur noch von Sara bei ihrem alten Namen gerufen wird: selbst Lejlas Mutter weicht auf Leja aus, weil sich Lejla als Kleinkind selbst so ausgesprochen habe. 

Die problematische, vor zwölf Jahren während eines gemeinsamen Sommerurlaubs gerissene Beziehung zwischen Sara und Lejla steht im Zentrum der Story. Doch eigentlich handelt es sich um ein viel weiter zurückreichendes Dreiergeflecht: Armin, Lejlas im Krieg als Sechzehnjähriger verschwundener Bruder, ist die dritte zentrale Figur, auch wenn bis zum Schluss über sein letztliches Schicksal Unklarheit besteht. Lejlas schöner Bruder ist nicht nur der Verschwundene — sondern auch Saras erster Schwarm.

Beim Anruf nach Irland behauptet Lejla, nun mit Sicherheit zu wissen, dass sich Armin jetzt in Wien aufhalte. Deshalb müsse Sara nun unbedingt sofort aus Dublin nach Mostar reisen, wo Lejla inzwischen wohnt und als osmanisch verkleidete Kellnerin Touristen bedient. Nach anfänglichem Sträuben reist Sara zuerst mit dem Flugzeug nach Zagreb, von wo sie mit dem Bus nach Mostar weiterreist. Ab Mostar reisen Sara und Lejla zu zweit mit Lejlas Auto über die zentralbosnische Stadt Jajce, über beider Heimatstadt Banja Luka sowie Zagreb und Slowenien nach Wien. Ein wahrer Roadtrip.

Landschaft bei Jajce. Foto: Thomas Schad (2016).

Struktur

Ohne dabei gezwungen zu wirken ist das Buch in zwölf fast gleich lange Kapitel gegliedert. Bei genauerer Betrachtung erweist sich der Roman sogar als geradezu perfekt organisiert: jedes einzelne Kapitel ist wiederum in sich zweigeteilt. Die erste Hälfte bildet gewissermaßen das Frontend, die zweite das Backend — angezeigt durch die [eckigen Klammern], die den zweiten Kapitelteil jeweils umschließen. Einzige Ausnahme bildet das letzte Kapitel, wo sich das Backend schließlich ganz auflöst. Hier zeigt sich einerseits, wie reflektiert sich die Autorin mit Sprache und ihren Strukturen beschäftigt, und zudem drängt sich über die Backend-/Frontend-Struktur eine Analogie zur zeitgenössischen Welt der Programmiersprachen auf — in der Saras irischer Freund Michael beheimatet ist:

Michael sprach immer davon, dass die ganze Welt codiert sei. Dass ich mir nicht bewusst war, dass hinter meiner Übersetzungssoftware, meinen Lieblingszeitschriften, meinen Playlists mit Musik aus einer Zeit, in der seine Arbeit noch gar nicht existierte, eine ganze mir unzugängliche Sprache steckte.

Fang den Hasen, S. 35.

Backend Bosnien, Frontend Europa

Die Frontend-Backend-Spannung spiegelt sich ganz besonders an Saras Verhältnis zu ihrer Muttersprache. Sie hat große Bedenken vor einer Rückkehr nach Bosnien:

Bosnien, Lejla. Das war kein zweiwöchiger Urlaub, aus dem man nach Hause kam und sich wieder zu Michael ins Bett legte. Das war wie mit Heroin wieder anfangen. Schon hatte ich mich wieder mit meiner Muttersprache beschmutzt.

Fang den Hasen, S. 35-36.

Bosnien ist für Sara jedenfalls nicht Home, obwohl sie genau dieses Wort verwendet, um Michael zu erklären, dass sie dorthin aufbrechen müsse:

Home war nicht Bosnien. Bosnien war etwas anderes. Ein verrosteter Anker in irgendeinem verpissten Meer. Man schürfte sich auf und bekam Tetanus, auch nach so vielen Jahren.

Fang den Hasen, S. 40.

Zwar sträubt sie sich, in ihre Muttersprache zurückzukehren, doch schnell hatte sie sich wieder „infiziert“. Sofort nach dem Telefonat mit Lejla beginnt sie, mit dem Englischen zu fremdeln:

Das Englische traf mich schwer wie Ziegelsteine in den Bauch, Brocken für Brocken.

Fang den Hasen, S. 36.

Die zwei Sprachen, die Sara in dem Buch spricht, erscheinen wie zwei Länder, Gebiete oder Topoi, die von ihr bewohnt werden. Bosnien, der Balkan und die Muttersprache formen das Backend; Europa und das Englische stellen dagegen das oberflächlicher geratene Frontend dar — ohne, dass die Autorin dabei in allzu grobe, antiwestliche oder Balkan-Stereotype abdriftet, auch wenn die verwendeten Bilder und Symbole teilweise hart an der Grenze zum Klischee gebaut sind, wo die Stimmung kippen könnte. Lejla zerrt Sara gewissermaßen zurück in die Tiefen des Backends, und Sara stellt sich letztlich der verpflichtenden Herausforderung, der sie nicht entgehen kann, schon um Armin willen:

Ich konnte sehen, wie sie dort auf Michaels Parkettboden saß und abschätzig lächelnd ihren Blick auf meine Dubliner Phase warf. Sie würde nicht mal etwas sagen, nur mit den Augen würde sie mir Europa ausziehen wie einer Neureichen den Pelzmantel und die Narben des Balkans schamlos an die Öffentlichkeit zerren.

Fang den Hasen, S. 38.
Aufnahme von einem Roadtrip durch Ostbosnien. Foto: Thomas Schad (2016).

„Unter allen anderen Panoramen hätte ich den Balkan durch dieses ovale Fensterchen wiederekannt“, beschreibt sie beim Anflug auf Zagreb (S. 57); der Balkan sei für sie „vor allem eine Farbe“, und diese Farbe ist in erster Linie von Dunkelheit geprägt:

Ein schwerer Grünton, wie vergessene Paprika, trocken und runzelig, die niemand mehr isst. Ein schales Braun, das sich weiterschlängelt wie ein toter Fluss nach der Apokalypse. Die Farbe einer Mumie, durch Maden von innen zerfressen. Sogar Stiefelabdrücke lassen sich erahnen, dabei ist es unmöglich, sie von dieser Höhe aus zu sehen, es ist nur ein Trugbild. Hunderte Stiefel auf ausgetretener Erde. Und Büsche, hellgrüne Tumore am Fluss, müdes Gestrüpp, und doch weiterhin wild, über jedem davon schwebt ein Fragezeichen. Ist hier jemand gestorben? Hat hier jemand getötet?

Fang den Hasen, S. 57-58.

Diese Naturbeschreibungen des Balkans — Gestrüpp, das weiterhin wild ist — kontrastieren zu den fast gekünstelt erscheinenden Lebewesen Europas, wie zum Beispiel ihrem Avocadobaum, den sie in Dublin aus einem Kern gezogen hat. Die gegensätzlichen Europabilder werden gegen Ende des Buches, da sich die beiden Reisenden bereits in Österreich befinden, noch viel deutlicher. „Mehr noch, es lag etwas Falsches in all dieser ordentlichen Schönheit“, beschreibt sie Wien (S. 302). Zuvor noch halten sie in Österreich an einem See, dessen Beschreibung das permanente Thema der ordentlichen Gemachtheit Europas und der „unnormalen“ Ungemachtheit des Balkans zuspitzt: 

Der See war künstlich, genauso wie der Parkplatz, genauso wie der Rasen, genauso wie die Nägel unserer Kellnerin, als sie uns den Kaffee brachte und Lejla höflich bat, die Beine vom Stuhl zu nehmen.

Fang den Hasen, S. 280.

Hier ist von wildem Gestrüpp und von der dunklen Farbe nichts mehr übrig:

Jeder Grashalm war auf die gleiche Länge getrimmt, als kümmerte sich darum ein Epilationsstudio und keine Gartenarbeiter. Und diese grüne Farbe, sie war so anders als unsere — sie hatte den gleichen Ton, egal wohin ich den Blick lenkte: auf die Bäume, die Sträucher, den Rasen…

Fang den Hasen, S. 280.

Sie beschreibt den umgekehrten „Bosnieneffekt“, der von so vielen aus Deutschland und anderen westlichen Ländern Einreisenden beschrieben worden ist. Dieser Bosnieneffekt tritt bald ein, nachdem man die Save überquert hat: die Straßen werden schmaler, die Vegetation ist wilder und üppiger, die ersten frei umherlaufenden Kühe am Wegrand tauchen auf, es liegt Müll herum. Bei der Durchfahrt durch Österreich ist es umgekehrt. Sogar die Vögel scheinen „nicht aus echten Schnäbeln“ zu zwitschern (S. 280).

Ich dachte daran dass ich früher solche Dinge wertgeschätzt hatte — Straßen ohne Müll, gemähte Vorgärten, saubere Bänke, die gesamte Ordentlichkeit der Fremde. Jetzt ging es mir auf die Nerven.

Fang den Hasen, S. 280.

An dieser Stelle scheint die Autorin die Protagonistin Sara zu überlagern, denn sie wehrt sich vielleicht ein wenig zu explizit gegen einige verbreitete, antiwestliche Stereotypen:

Ich war nie eine von denen, die die eigenen Zeichen von Einfalt als Beweis verherrlicht hätte, dass wir hier mehr Herz hätten als die dort im Ausland; wir bei uns waren angeblich ehrlich und geradlinig, da wir Abfall vom Straßenrand entsorgten und Kinder anschrien. Solche Ideen fand ich immer schon lächerlich.

Fang den Hasen, S. 280-281.

Bosnien kommt nicht besonders gut weg in diesem Buch. Es wird alles andere als idealisiert oder romantisch dargestellt — eher als ein Hindernis in vielen Biographien, wie nach einer langen, von Lejla erzwungenen Szene in einem Maisfeld nahe der kroatischen Grenze angedeutet:

Bosnien hatte versucht, uns mit diesem Maisfeld aufzuhalten, Lejlas weiße Haare mit den toten Stängeln zu verflechten, uns unter dem fruchtlosen Gewächs zu verschlucken. Und dann spuckte es uns über die Grenze aus, einfach so. 

Fang den Hasen, S. 251.

Doch ganz kommen die beiden aus Bosnien nicht heraus, „[w]ir sind immer in Bosnien“ sagt Lejla (S. 245) einmal zu Sara, in jenem gemeinsamen Urlaub des Zerwürfnisses, außerhalb Bosniens. Und auch in Wien kommen sie nicht ganz heraus aus ihrem Backend: Im Restaurant werden sie von einer unsere Frau bedient, die übergriffig wird, indem sie das Preisschild von Lejlas Kleid mit einer Schere ohne zu fragen abschneidet; dabei ignoriert diese die schiere Armut, in der Lejla in Bosnien-Herzegowina lebt, wegen der sie das Preisschild nicht entfernt hatte, um das Kleid wieder zurückbringen zu können (S. 308). Auch ein Smartphone kann sich Lejla nicht leisten — und verwendet nicht etwa, um cool zu sein ein veraltetes Klapp-Handy, wie Sara anfangs mutmaßt.

Neben den unterschiedlichen Topoi Bosnien und Europa sowie der Reise zwischen beiden — sowohl geographisch, als auch autobiographisch — ist das Backend des Buches von großer Tiefe. Fang den Hasen kann auch als Jagd nach einer Beziehung und einer Freundschaft zwischen zwei Frauen gedeutet werden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eigentlich scheinen sich beide permanent misszuverstehen, wobei Lejla über Sara dominiert und vieles in der Beziehung unausgesprochen bleibt. Bis Wien traut sich Sara nicht, nach Armin zu fragen, weil es jenen Zwischenfall gegeben hat, als Sara ihn quasi nebenbei für tot erklärt hat. Doch Armin ist für Lejla nicht tot: er ist verschwunden. Damit behandelt das Buch das Thema der Verschwundenen des letzten Krieges — der nie gefundenen Ermordeten — und die Schwierigkeiten, mit denen Angehörige leben müssen, die nicht wissen, was mit ihren Verwandten und Freund*innen passiert ist.

Ein weiterer, wie nebenher erzählter Aspekt erscheint unbedingt erwähnenswert: die Rolle der (weiblichen) Sexualität und die Stellung der Frau. Der Balkan gilt nach verbreiteten Klischees als Hochburg des Machismo, wo sich zwei Frauen untereinander keinesfalls öffentlich küssen dürften, denn „[d]as geht in Bosnien nicht“, wie Lejla Sara gegenüber feststellt (S. 244); Lejlas Lehrer wurde ihr gegenüber sexuell übergriffig, ihr Ehemann Dino, der als bullig und grobschlächtig beschrieben wird, schlägt sie — was überhaupt nicht zum restlichen Eindruck Lejlas passt, die sich „lang und übertrieben“ von Dino verabschiedet.

Dennoch handelt das Buch im Großen und Ganzen von der starken Weiblichkeit der Protagonistinnen sowie von deren weitestgehend selbstbestimmter Sexualität. Dies äußert sich etwa im akribisch geplanten, ersten Sex der beiden Maturantinnen Lejla und Sara, oder in der Tatsache, dass Lejla unter ihren Grunddingen in ihrer Handtasche sechs Packungen Kondome mit sich führt. Überhaupt setzt sich diese über jegliche Konvention hinweg, wirft während der Autofahrt einen benutzten Tampon aus dem Fenster, und als sie in Wien mit einem wildfremden Mann ins Bett geht, lässt sie sich dafür ohne zu zögern 300 Euro geben. 

Wie aus der Zeit gefallen wirkt dagegen eine Freundin Lejlas aus Jajce, bei der die beiden übernachten: in ihrem Haushalt finden sich mit den Häkeldeckchen auf allen Oberflächen die Insignien der traditionellen bosnischen Frau, die ihre Gäste mit pita bewirtet. Überall stehen dort Entenfiguren, die plötzlich zum Leben zu erwachen scheinen, wodurch der Roman sehr nahe an der Grenze zum magischen Realismus geschrieben wurde. Eine andere Frau, der die beiden nahe der Grenze begegnen, wo das Auto durch Lejlas Intervention vom Straßenrand abgekommen ist, holt die beiden aus dem Graben: es braucht keinen Mann mit Abschleppseil mehr. 

Zur Übersetzung

Ich habe die Originalfassung des Buches nicht gelesen, weshalb ich nur bedingt etwas zur Übersetzungsleistung sagen kann. Zu würdigen ist zunächst die Verwendung eines Glossars, in dem beispielsweise bestimmte kulinarische Bezeichnungen wie sirnica, krompiruša oder uštipci erläutert werden, aber auch landeskundliche Besonderheiten, Namen und Bräuche, so dass sie im Text kursiv im Original verwendet werden können. Weiterhin bleiben viele Besonderheiten der Originalsprache erkennbar, die meistens kursiv gehalten werden: zum Beispiel ist eine „unsere Frau“ (S. 308) kursiv gehalten, genau wie bei uns (kod nas) oder Grunddinge (osnovne stvari, S. 305). Diese Bezeichnungen lassen sich für Sprecher*innen der Sprache, die ethnienübergreifend oft als unsere Sprache (naš jezik) bezeichnet wird und schwer eindeutig übersetzbar sind, leicht erkennen. Der „Geist der Sprache“ (duh jezika) dringt voll und ganz durch, weshalb ich die Übersetzung auch ohne Kenntnis des Originaltextes für sehr gelungen halte.

Abschließend möchte ich feststellen, dass ich das Buch mit großer Hingabe gelesen habe: von Anfang an war ich wie elektrisiert von der Sprache. Ich musste mich zwingen, es nicht in einem Rutsch durchzulesen. Es ist eines jener Bücher, zu denen man eine zeitlang eine Beziehung eingehen will, das man in der Tasche noch ein wenig mit sich tragen möchte.


Anmerkung: Dieser Blogpost ist die überarbeitete Version der Rezension auf meinem persönlichen Blog Inkubator Metamorφ, wo sie am 23. Mai 2021 veröffentlicht worden ist.


Literaturangabe

Bastašić, Lana (2021): Fang den Hasen. (Aus dem Bosnischen von Rebekka Zeinzinger). Frankfurt a.M.: S. Fischer.

Bastašić, Lana (2018): Uhvati zeca. Belgrad: Kontrast und Sarajevo: Buybook.

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